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9. Linke Literaturmesse 19. bis 21. November 2004 - Nürnberg - K4 - Königstr. 93 |
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Aus den Anfängen der Linken Literaturmesse in Nürnberg. Der Buchladen "Libresso" und das Archiv "Metroproletan" im KOMM starteten am 5.5. (Geburtstag von Karl Marx) 1991 den ersten Versuch zu einem "Linken Bücherbazar" in den unteren Gängen des Kopfbaues im KOMM. TeilnehmerInnen waren neben Libresso und Metroproletan die "Bücherkiste" und der City Verlag Nürnberg. Aus dem Informationsflugblatt: "1. Linker Bücherbazar im KOMM. Am 5. Mai findet zwischen 11 und 17 Uhr zum ersten Mal in Nürnberg ein linker Büchermarkt statt. Wir geben Einzelpersonen, Buchläden, Archiven, Antiquariaten und politischen Gruppen die Gelegenheit Bücher vorzustellen und zu verkaufen. Mit dem Bücher-Bazar wollen wir für Leser die Möglichkeit schaffen, Bücher billiger erwerben zu können, bzw. Interessierten Bücher, die von Verlagen nicht mehr aufgelegt werden (z.B. aus den 60er, 70er, und 80er Jahren oder aus der ehemaligen DDR) zugänglich zu machen. Wir werden Räume zur Verfügung stellen in denen man/Frau sich unterhalten, diskutieren und lesen kann. Soweit es uns möglich ist, werden wir Tische kostenlos zur Verfügung stellen, Standgebühren werden nicht erhoben." Am 9.2.1992 fand der 2. Linke Bücherbazar im KOMM statt. Aus der KOMM-Zeitung: "Nach dem Erfolg des 1.Linken Bücher-Bazar im KOMM findet nun ein zweiter Bazar ...statt. Er richtet sich wiederum an alle an linker Literatur, an politischen Büchern, Zeitschriften, aber auch an Comix und Belletristik interessierten Menschen. Zum An- und Verkauf sind alle eingeladen; Privatleute sowie Buchläden und Archive, politische. Gruppen sowie Comicläden usw... Um 14 Uhr findet im Archiv dann eine Veranstaltung des Karin Kramer Verlages aus Berlin statt. Es entstand ein ein regelmäßiger Bazar für gebrauchte politische Bücher (die Flut der "DDR-Literatur" erreichte auch Nürnberg) mit einer guten Resonanz. Diese Entwicklung wurde durch den Umbau des KOMM-Kopfbaus abgebrochen. Nach vier Jahren findet dann doch 1996 die erste Linke Buchmesse im KOMM statt. Es war eine für alle Beteiligten überaschend gut gelungener Start für die jährliche Linke Literaturmesse im KOMM (später das Künstlerhaus K4) in Nürnberg. 1. Linke Literaturmesse 18.-20.10.1996 2. Linke Literaturmesse 14.-16.11.1997 3. Linke Literaturmesse 13.-15.11. 1998 4. Linke Literaturmesse 12.-14.11. 1999 5. Linke Literaturmesse 17.-19.11. 2000 6. Linke Literaturmesse 09.-11.11. 2001 7. Linke Literaturmesse 24.-26.01. 2003 8. Linke Literaturmesse 21.-23.11. 2003 Interview in der Rabaz Nr. 7/97: "Bücher sind das eine, aber die linke Kultur und die linke Politik wird viel über Zeitschriften transportiert......Wir wollen aber nicht, dass die Messe eine Veranstaltungsreihe wird, sondern die Buchmesse soll das Zentrum sein. Und vor allem soll es eine linke Buchmesse bleiben...... Ich denke vor allem wenn mensch aktuelle Politik macht oder auf aktuelle Vorfälle reagiert werden soll, u.a. auch um Hintergrundinformationen oder weitere Informationen über das tatsächliche Geschehen in den verschiedenen Ländern zu bekommen. Oder wenn man über ein historisches Datum vernünftige Literatur zusammenstellen oder überhaupt bekommen will. Dazu wären Broschüren ideal - die nicht da sind. Das sehen wir als Problem, dass die Linke - aber nicht nur sie - auch die Verlage, dass diese so etwas entwickeln müssen, daran arbeiten müssen, ihr Verlagsprogramm entsprechend zu gestalten. Ist natürlich auch ein Problem: Ein Verlag kann nicht nach tagespolitischen Notwendigkeiten Bücher produzieren. Er muss die Bücher langfristig auch absetzen. ...Es ist trotzdem wichtig, dass für tagespolitische Fragen Literatur bzw. Information da ist. Dazu wären gemeinsame Projekte von Verlagen notwendig, und das sehr schnell und auch qualifiziert. Diese Projekte sollten Hintergrundinformationen liefern, in Broschürenform oder in kleinen Taschenbüchern. Viele Organisationen haben ihre eigenen Broschürenprojekte zu bestimmten Sachen und veröffentlichen diese." Linke Literaturmesse in der linken Presse
Auszüge aus Interviews und Pressetexten: Die Erste. 1996.
"In Zeiten falscher Hoffnungen, in Zeiten rot-grüner Vernebelung und wahlfetischistischer Bewegungsflaute kann es auch für noch vorhandenen AktivistInnen nützlich sein, die Zeit der Apathie und des blinden Vertrauens in die neue Regierung dadurch zu überstehen, dass mal wieder ein gutes Buch zur Hand genommen wird. Wer vom bürgerlichen Literaturbetrieb mit seiner gigantomanischen Frankfurter Buchmesse jeden Herbst aufs Neue abgestoßen ist, kann nun wieder zu alternativen Buchmessen Zuflucht nehmen. Schon in den 70ern und 80ern Jahren haben linke, liberale und Kleinverlage versucht, die offizielle bürgerliche Buchmesse mit einer "Gegenbuchmesse" zu konfrontieren, auf der selbstverwaltete oder nichtkommerziell vertriebene Literatur und politische Publizistik noch eine Chance hatten wahrgenommen zu werden, und auf der auf publizistischen Skandale wie Zensur oder Razzien in Buchläden hingewiesen wurde. Nach einigen Jahren der Handlungsunfähigkeit alternativer Verlage blieb von diesen Ansätzen nur die alle zwei Jahre stattfindende Mainzer Minipressenmesse übrig, die allerdings nicht gänzlich selbstverwaltet ist, sondern städtisch unterstützt wird. Vor diesem Hintergrund erschien es ein ziemliches Wagnis, als vor zwei Jahren im damals noch selbstverwalteten Nürnberger Szenezentrum KOMM die Buchhandlung Libresso und das Archiv bzw. die Bibliothek Metroproletan die 1. Linke Literaturmesse starteten. Doch das Wagnis zeigte nur, dass es - dazu noch in der vermeintlichen Bewegungsdiaspora Bayern - wohl ein tatsächliches Bedürfnis nach linker Literatur und in üblichen Buchläden immer seltener ausgelegter politischer Publizistik gibt, denn der Publikumsbesuch der Messe übertraf alle Erwartungen..... Wer dissidente und an den Rand gedrängte Literatur und Publizistik endlich wieder mal auf einem Haufen sehen will, kommt um einen Besuch bei der Literaturmesse in Nürnberg kaum herum." (Graswurzelrevolution 1998). Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom - die Linke Literaturmesse ist nicht tot! Ein Interview Frage: Sieben Jahre Linke Literaturmesse und kein Ende? Die Linke Literaturmesse im (Ex-) KOMM (K4) in Nürnberg, bestätigt immer wieder ihren guten Ruf. Sie bekommt sowohl von den BesucherInnen als auch den teilnehmenden Verlagen gute Kritiken. Das Publikum lobt vor allem die thematische Vielfalt der präsentierten Literatur sowie in den Veranstaltungen der Verlage. Ein Wochenende lang stellen rund 50 linke Verlage ihre gesellschaftskritische Literatur am "laufenden Meter" vor. Die beiden Säle sind bis an die Grenzen der Kapazität mit den Ständen belegt. Das jeweils eigene Buchprogramm und weitere Verlage präsentieren die Verlage und Buchvertriebe Anares Nord (Bremen), aLiVe / Assoziation Linker Verlage (Aschaffenburg), Pahl-Rugenstein Verlag (Bonn), Aurora Buchversand (Berlin). Eigene Verlagsstände haben u.a. der Trotzdem Verlag (Grafenau), der PapyRossa Verlag (Köln), der Ca ira Verlag (Freiburg) der Verlag Edition AV (Frankfurt). Folgende Zeitungen und Zeitschriften haben u.a. eigene Stände: Junge Welt (Berlin), Ökolinx (Frankfurt (M)), Rote Hilfe (Kiel), raumzeit (Nürnberg), Tristero (Mannheim). Mit ihren Antiquariat sind vertreten: Rotes Antiquariat (Berlin), Antiquariat "Walter Markov" (Bonn), Antiquariat "Schwarzer Stern". Der Schallplattenversand "Jump Up" (Bremen) ist einer der umlagertsten Stände der Messe. Es finden wieder 25 Lesungen und Diskussionen im Stundenrythmus statt. Frage: Hat die Linke Literaturmesse in dieser Zeit noch eine Bedeutung? Wir können immer noch feststellen: was hier vorgestellt wird ist ein Ausschnitt der politischen Bewegungen und der Diskussion. Auch gegensätzliche Positionen kommen bei uns zu Wort. Trotz aller "neuen Medien" sind Bücher und Zeitschriften für die Vermittlung von politischer Theorie, Praxis und Unterhaltung noch immer am praktischsten. Ich kenne niemanden, der Karl Marx oder Heinrich Mann mit Begeisterung am Bildschirm verschlingt. Literatur auf Papier wird es noch lange neben den neuen Medien geben. Mit den Jahren hat sich ein "Stammpublikum" der Messe zusammengefunden. Wir bemühen uns aber, auch weitere interessierte Menschen anzulocken, denn wir meinen immer noch, dass es möglich ist über Literaturangebote in die Diskussionen einzugreifen. Deshalb versuchen wir auch weitere interessierte Menschen "anzulocken". Wir bemühen und auch, neben den "Stammverlagen", die immer wieder gerne teilnehmen, auch neue Verlage zu überzeugen, ihre Bücher hier anzubieten und zur Diskussion zu stellen. Frage: Nach sieben Mal "Linke Literaturmesse" ist die Frage berechtigt, wurden die ursprünglichen Ziele erreicht? In der ehemaligen KOMM-Zeitung formulierten wir in einem Interview unsere Ziele: "Die 1. Linke Literaturmesse ist keine alternative Messe, und will auch keine Alternative oder gar Konkurrenz zu den bestehenden Messen sein. Hier wird ein Teil des Buchmarktes angesprochen - linke Verlage, linke Zeitschriften, die auf den anderen Messen teilweise untergehen - auch aus ökonomischen Gründen , denn die Teilnahme an den großen Messen ist für die Verlage sehr kostpielig." Unser Ziel wurde erreicht; jedoch hat sich auch einiges verändert. Die Veranstaltungen haben von den ReferentInnen und ihrer Anzahl her mehr an Bedeutung gewonnen als ursprünglich angedacht. Wir freuen uns, wenn anziehende Veranstaltungen stattfinden. Die Leute sollen jedoch auch der Bücher wegen zur Messe kommen. Die Bücher sollen Schwerpunkt bleiben und nicht die Veranstaltungen. Frage: Wie entwickelte sich die Beteiligung der Verlage und das Besucherinteresse? Die Messe ist nicht nur ein linkes Familientreffen, Die Veranstaltungsprogramme wurden von Jahr zu Jahr länger. Dies ist ein Zeichen für das steigende Interesse der AutorInnen und Verlage, ihre Bücher und Themen direkt vorzustellen und zu diskutieren. 25 Veranstaltungen im Stundentakt - bzw. mit Überschneidungen - sind die Obergrenze. Mehr können wir auch räumlich nicht verkraften. Nach den Einschätzungen der ausstellenden VerlegerInnen hatte die Zahl der Besuchenden der 7. Messe im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Neben dem Stammpublikum aus der Nürnberger Region zog die Veranstaltung auch viele auswärtige Interessierte an. Insgesamt besuchten ca. 1200 BesucherInnen die Literaturmesse. Die erste Messe verzeichnete den größten Besucherandrang (ca. 1500) und die zahlreichste Beteiligung von Verlagen. Die Besucherzahlen haben sich dann um die 1000 (davon 500 VeranstaltungsteilnehmerInnen) eingependelt. Frage: Hat sich die Messe zu einer überregionale Messe entwickelt oder hat sie nur eine regionale Funktion? Diese Messe ist keine bundesweite Messe, was die BesucherInnen betrifft. Jedoch ist die Messe ist bundesweit nicht zu übersehen und sie braucht sich nicht zu verstecken. In Berlin existieren genügend linke Buchhandlungen; da braucht mensch keine linken Bücher nach Berlin tragen. Aber diese Messe hat für Bayern und dem weiterem Umfeld schon eine Anziehungskraft. Dies ist aber noch lange nicht ausgeschöpft. Wir sind hierbei auf überregionale Multiplikatoren angewiesen. Frage: Habt ihr eure Zielgruppen erreicht? "Die BesucherInnen waren zum Großteil relativ junge Leute, aber auch ältere Marxisten und Anarchisten (ja, die mit den ungepflegten Bärten und dem Bauchansatz) waren vertreten." (Zitat aus der "alaska" 1997) Das Ziel war, Literatur aus den Bewegungen bei den Menschen in den Bewegungen bekannt zu machen. Ältere wie junge Menschen mit emanzipatorischen Ideen und Gedanken sind nach wie vor unsere Zielgruppe. Noch können wir mit neuen Themen auch neue Bereiche eröffnen. Mein Wunsch ist es, mehr Menschen und vielfältige Themen aus den soziale Bewegungen auf die Messe zu bringen. Frage: Gibt es wieder Kunst auf der Literaturmesse? Die Verbindung von Literatur und Kunst hatten wir am Anfang besser zustande gebracht. Auf der ersten Messe hatte Eric Drooker (USA) mit Dias und Musik seine Grafiken vorgestellt. Mit der Vorstellung des Projekts KuK (Kunst und Kampf) (Göttingen) und der Ausstellung kurdischer Künstler verwirklichten wir unseren Anspruch auf die Verbindung von Literatur und Kunst. Mit der 7. Messe und der Ausstellung "Kunst liebt Politik" haben wir diesen Faden wieder aufgenommen. Die "Linksradikale Liedertafel" gehört mit ihrem traditionellen Programm der Arbeiter- und internationalen Liedern schon zum festen Programm. Aber auch die Video- und Filmveranstaltungen werden wieder zielgerichteter aufgenommen. |